Ich bin schon seit Ewigkeiten am Thema Energie interessiert, meine Diplomarbeit hatte das Thema “Kraft-Wärme-Kopplung mit Brennstoffzellen”. Das war 1994. Aktuell ist es ja etwas modern geworden, sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, was nach dem Öl kommt. Als Leseempfehlung an dieser Stelle der Sonderteil “the future of energy” aus dem Economist vom 21. Juni.Der Economist hat für mich grundsätzlich eine sehr sehr hohe Glaubwürdigkeit, einige Thesen und Informationen haben mich hinreichend überrascht, um sie kurz anzureissen: Diejenigen unter den geneigten Lesern, für die das Allgemeinplätze sind, mögen mir vergeben.

  1. Wir haben dann gewonnen, wenn wir Strom aus erneuerbaren Energien billiger herstellen können als aus Kohle. Denn erst dann wird Kohle als eine der dreckigsten Energiequellen nicht mehr genutzt. Die Google Jungs (ja, die mit der 767) arbeiten daran unter dem Stichwort RE>C und kümmern sich dabei primär um Solar-Unternehmen. Die aktuellen Kostensätze sind ungefähr 5 US-cent je KWh Strom aus Kohle. Wenn es weltweit einen CO2 Abgabe von 30US$ je Tonne CO2 geben würde, würde sich Kohlestrom auf ca. 8 US cent je KWh verteuern.

  2. Elektroautos werden wirklich kommen.
    Selbst mit Kohlestrom ist ein Elektroauto sauberer als mit einem Benzin- oder Dieselmotor, so der Economist. Das hat mich genauso überrascht, wie die Angabe, dass der vergleichbaren Kostensatz bei ca. 25 US cent je “Liter” Elektrosprit liegen kann. Wenn man die ganze Nachrichtenlage so verfolgt, dann gelangt man zur Überzeugung, dass Elektroautos wirklich kommen werden. Ich würde mir gerne so einen Tesla-Flitzer (hier ein Link zu einem Test) zulegen. Warum kommt der nicht von Porsche?
    Kritisch sieht der Bericht übrigens die ganzen Wasserstoffautos. Die Logistik, um den Wasserstoff zum Auto zu bekommen, ist immer noch nicht gelöst.

  3. Wind-Energie macht wirklich Sinn
    Wer ist nicht genervt von den Windparks an Nord-und Ostsee oder in der vormals schönsten Erholungsgebieten? Aber anscheinend ist diese Technik die am weitesten entwickelte alternative Energie, der am ehesten zugetraut wird, schnell eine relevante Größenordnung zu erreichen. Im Moment trägt Windenergie zu 1% zur Versorgung der USA bei, aber man traut ihr bis 2020 einen Marktanteil von ca. 15% zu. Der Report beschäftigt sich primär mit den aktuellen Techniken zur Beseitigung der aktuellen Probleme mit Windenergie, nämlich der Speicherung der Energie und vor allem dem Transport zum Verbraucher.
  4. Nuklearenergie wird zurückkommen.
    Für diese These – die in Deutschland einen Frevel darstellt – braucht man natürlich keinen Economist. Fakt ist, dass nicht nur der Greenpeace-Gründer Patrick Moore, davon überzeugt ist, dass an Atomenergie kein Weg vorbeiführt. Hier ein Artikel von ihm aus der Washington Post. Wenn ich das Thema mit meinen französischen Kollegen anspreche, dann schütteln die alle den Kopf über die Deutsche Haltung zu dem Thema.

  5. Solarenergie wird irgendwann konkurrenzfähig
    Die verschiedenen Ansätze sind hinlänglich bekannt: Neben den bekannten Solarzellen, die entweder immer effizienter oder dramatisch billiger werden sollen(Dünnfilmzellen), existieren bekanntermassen die Parabolspiegel-Kraftwerke, die Wasser erhitzen und darüber Strom herstellen. Das “heisseste” Konzept im Moment kommt von Sungri: Hier werden Parabolspiegel benutzt, die Licht auf eine Solarzelle fokussieren. Hier ein guter Blog-Beitrag dazu.

  6. CO2-Speicherung: “Im besten Falle teuer, im schlechtesten Fall wird es nicht funktionieren”
    Aktuell macht die deutsche Braunkohle-Lobby doppelseitige Zeitschriftenanzeigen, in denen sie für Staatsknete für die CO2-Speicherung wirbt. Shell tut ähnliches im internationalen Umfeld. Im Economist dagegen werden diese Ansätze sehr kritisch betrachtet.

So weit meine Aha-Erlebnisse, wie gesagt, im Original sehr lesenswert.



  1. telakin on Friday 4, 2008

    Ich glaube bei der aktuellen Kostenentwicklung ist es keine Frage mehr, wann “grüner Strom” billiger als Kohlestrom ist, sondern nur wann der Kohlestrom teurer als grüner Strom ist…

    Eine interessante Synergiemöglichkeit bzgl. Elektroautos und Stromerzeugung – mit einer ausreichend hohen Anzahl von E-Fahrezeugen, sind am Netz plötzlich ganz viele dezentrale Energiespeicher vorhanden. Damit können über entsprechende Regelkreise prima die Schwankungen im Netz aufgrund ungleichmäßiger Einspeisung von Windkraft ausgeglichen werden. Interessanter Beitrag hierzu im Deutschlandradio hier (MP3). Teil einer aktuellen Sendereihe Die Zukunft des Energiesparens”.

  2. admin on Friday 4, 2008

    Sehe ich ähnlich. :-)

  3. [...] Die Zukunft der Energie: Solar statt Kohle, Elektroautos, Wind, Kernenergie, keine CO2-Speicherung. [mehr] [...]

  4. Andreas on Friday 4, 2008

    .. gestern (04.09) überraschte mich im Economist dieser Artikel: http://www.economist.com/science/tq/PrinterFriendly.cfm?story_id=11999219 . Klar: Die günstigste Energiequelle ist immer noch Effizienz. Hier sind wir Deutschen (noch) Weltmeister und haben damit einen weltweiten Vorteil. Wenn wir aber noch ein bißchen warten schenken die Amerikaner womöglich Mr. Lovins Glauben ..
    .. seine Art und Weise mit Wirkungsgraden umzugehen ist schon phänomenal. Dies und viel mehr nachzulesen in seinem Buch “winning the oil endgame” unter http://www.oilendgame.com/ bzw. auf seiner Website http://www.rmi.org

  5. Doremi Fasola on Friday 4, 2008

    Sorry Stephan, so ein Quatsch!
    Ein spanischer Ingenieur hat mal ausgerechnet, dass man den Strombedarf Europas ganz problemlos damit decken könnte, daß man in Nordafrika an der Atlantikküste Windenergieanlagen baut und im Binnenland Solarenergieanlagen, die Verluste durch die langen Leitungen nach Europa eingerechnet. Das würde da auch keinen stören da die meisten dieser Gebiete eh Wüste sind und da niemand wohnt. Preislich problemlos konkurrenzfähig.
    Wäre auch ein prima Einkommen für diese Länder.

    Aber das wird nie passieren – warum nicht? Weil sich Europa damit politisch abhängig machen würde von Ländern wie Marokko, Tunesien und Lybien. Da bleiben wir lieber politisch abhängig von den Russkies weil wir ihr Gas brauchen, ne?