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16
Sep 10

Entrepreneur in Residence (EIR) bei BV Capital / eVenture

In letzter Zeit treffe ich einige Leute, die mich fragen: „was machst Du eigentlich?“
Der entsprechende Facebook-Status würde wohl lauten „it‘s complicated“, weil es nicht in einem Satz zu sagen ist.

Einerseits bin ich nach wie vor ein aktiver Gesellschafter und Beirat bei Qype, wo ich im Sommer kurzfristig auch im Produktbereich betreut hatte. Gleichzeitig habe ich den Wechsel zum neuen CEO Ian Brotherston begleitet.

Andererseits bin ich „Executive Chairman“ bei Avocadostore. Ein gutes deutsches Wort fällt mir für diese Tätigkeit nicht ein. Ich habe die Firma gemeinsam mit Philipp Gloeckler gegründet, vorfinanziert, noch einige Investoren dazugeholt und bin einige Tage im Monat direkt im Unternehmen, um Philipp zu unterstützen.

Meine Zelte aufgeschlagen habe ich aber neuerdings als „Entrepreneur in Residence“ bei BV Capital / eVenture in Hamburg.

Wie so oft, ist diese Tätigkeitsform in Deutschland kaum bekannt, daher einige Worte dazu: Ein Entrepreneur in Residence (EIR) unterstützt einen VC bei der Identifikation von herausragenden Unternehmer, gibt Input und erhält gleichzeitig Zugang zur Denkweise der Investoren. Es lässt sich vor allem in den USA durchaus ein Trend ausmachen, dass Top Serial Entrepreneurs auf Zeit zu Top VCs gehen.

Ein relativ prominentes Beispiel für EIR ist Marten Mickos, der Gründer von MySQL, als EIR bei Index Ventures. Das Beispiel Marten zeigt auch, dass der Grad gegenseitiger Verpflichtung beim Modell EIR gering ist. Martin war als EIR bei Index Ventures, und ist danach bei Eucalyptus eingestiegen, an dem BV Capital beteiligt ist.

Noch ein paar Worte zu BV Capital / eVenture:

BV eVenture ist ein Team, das in USA und Europa in innovative  Internet Modelle investiert. Die neuesten Fonds sind BV Capital III fuer die USA und eVenture I fuer Europa/Osteuropa, die beide vom gleichen Team gemanagt werden. Das BV Team investiert seit über 10 Jahren in Silicon Valley und ist seit ca 2 Jahren mit dediziertem Europa Fonds eVenture hier nun auch stärker aktiv.

In einer internen Diskussion zur eigenen Positionierung sagte kürzlich einer der Leute im Büro: „Wir sind eher hands-on, unternehmerisch geprägte Investoren ohne Ego-Problem“ Letzteres ist mir am wichtigsten. Fokus sind Frühphaseninvestments im Fenster zwischen Angels und den „großen Fonds“, die mindestens 4 Millionen investieren müssen. Beispiele einiger Investenments sind in Europa: Citydeal/Groupon ; Darberry/Groupon; Kaufda und natürlich Myfab; aber auch „hot topics“ in den USA aus USA wie Eucalyptus (open source cloud computing).

Für mich ist neben dem exzellenten Track Record von BV / eVentures in Kombination mit der “kein Ego-Problem”-Thematik auch spannend, dass ich vor der Haustür in einen internationalen VC eingebunden bin, wo ich viel Neues sehen werde. Life long learning.


8
Sep 10

Erfahrungen mit der Suchtentwöhnung vom Real Time Web.

Im Sommer war das “Abschalten” so prominent in Wirtschaftswoche und Spiegel auf den Titelseite, daß Meedia “Abschalten” zu Recht als Medientrend des Sommers identifiziert hat.

Der Hamburger Personalberater Dwight Cribb hat schon im  April mal einen sehr guten Blogbeitrag geschrieben. Er schreibt darin, dass er sich dem Burnout näherte, weil er dauernd in eigentlichen Ruhephasen auf Twitter geschielt hatte. Meine Burnout-Phase liegt zwar schon länger hier, die war irgendwann 2007 zwischen der ersten und zweiten Finanzierungsrunde von Qype.

Aber auch mir ist dieses Jahr klar geworden, dass das ständige “Always on” so nicht weiter geht. Das wäre vielleicht nichts besonderes, wenn ich mich nicht auch als einen Derjenigen gesehen hätte, die das Real-Time-Web mit gestalten wollen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Suchtentwöhnung:

Im Urlaub lief das Jahr wunderbar. Ich habe jeden zweiten Tag das iPad morgens angemacht und ein paar E-Mails beantwortet und ein paar News-Seiten angesehen, ansonsten kein Internet und kein Handy. Zwei Wochen lang. Oh Wunder: Die halbe Stunde morgens war viel effizienter als das dauernde “Ich schau mal kurz rein”.

Blackberry ist  ja das bekannteste Übel. Erst kürzlich hat mir ein Freund gesagt, wie sehr ihn nervt, wenn ich mitten im Gespräch “Nur diese eine Mail” noch beantworte, weil eine Presseanfrage oder ein Investor nicht warten kann. Meine Lösung: Der Blackberry bleibt jetzt bei jedem Gespräch in der Tasche. Da blink nichts und fertig.

Twitter hat ja ganz nett angefangen, als Überbrückung von Wartezeiten in der U-Bahn oder am Flughafen. Aber ehrlich gesagt, nervt mich die Zeit, die ich mit “Noise” gegenüber “Signal” verbringe, nach wie vor. Und der Suchteffekt von Twitter (“Hat jemand geantwortet?”) ist einfach völlig unproduktiv. Meine Lösung: Ich habe die Twitter Apps zwar noch auf dem Blackberry installiert, aber in ein Unterverzeichnis verschoben, und öffne sie nur sehr selten.

Facebook hat mich ja nie so erwischt, es war für mich eher eine Twitter-Extension. Und soo interessant ist es gottseidank nicht, was da läuft. Nett ist für mich anzusehen, wie sich die Avocado-Fan-Seite so entwickelt und was es für Feedback gibt. Aber der Feed meiner Facebook-”Freunde” ist für mich dramatisch weniger spannend, als mich mit meinen wirklichen Freunden zu treffen. Meine Lösung: Facebook gibt es bei mir mobil nicht mehr.

iPad: Hier nerven die roten Status-Meldungen, ich schalte die E-mail Accounts oft ganz ab, wenn ich nur im Web surfen will.

Checkins: Klar, manchmal ist es nett, wenn ich sagen kann: hier bin ich, und meine Buddies sehen das auf Qype, Foursquare und demnächst Facebook. Aber ehrlich gesagt: in letzter Zeit bin ich auch davon nur genervt. Hier gibt es eine ganz einfache Lösung:ich mache es nur noch, wenn ich irgendjemanden in der Nähe treffen will.

Ist das jetzt eine Generationenfrage?

Ich glaube nicht. Philipp Gloeckler, der Gründer von Avocadostore hat im Urlaub auch komplett “abgeschaltet”. Passiert ist nichts. Er verwendet zwei Handys mit einer Karte. Am Wochenende ist nur das einfache alte SonyEricsson an, der Blackberry aus. Philipp ist 26.

Ich habe so was ähnliches auch probiert. Blackberry weg, einfaches Nokia Handy her. Leider bin ich auf meiner ersten Geschäftsreise an der mangelhaften Adressynchronisation und ohne elektronischen Kalender gescheitert. Und leider vermuten immer mehr Gesprächspartner, dass E-mails auch unterwegs gelesen werden, so dass es ohne “mobile E-mail” mittlerweile schwierig wird, Treffen zu organiseren. Da arbeite ich noch dran.

Auf jeden Fall stelle ich fest, dass ich so langsam wieder ruhiger und konzentrierter und somit effizienter werde. Das gilt am Schreibtisch. Und Gespräche werden wieder entspannter. Jetzt heißt es dranbleiben.


21
Apr 10

Die wirkliche Bedeutung des iPad – Nutzungssituation Sofa

Als das iPad vor 3 Monaten präsentiert wurden, waren die Web-Propheten wenig begeistert. Kein Flash und so weiter. Jetzt ist es der große Hype. In spätestens 3 Monaten werden wir das Android Pad haben und nächstes Weihnachten haben die Massen ein Gerät von Medion. Aber immer noch hat kaum jemand verstanden, was da passieren wird.

Meine These: In der selben Art und Weise, wie das iPhone endlich den Durchbruch bei der Internet-Nutzung unterwegs geschafft hat, bringt uns das iPad vom Schreibtisch auf die Couch.

Ich habe kürzlich zuhause einen Downgrade vorgenommen: Vom 17″ Notebook zum 13″ Macbook pro. Dadurch hat sich mein Surf-Verhalten vollkommen geändert. Arbeit, die Konzentration erfordert, Dinge die ich erledigen muss, erledige ich am Schreibtisch.

Wenn ich entspannt rumsurfen will: Top Gear schauen, mit den Kindern nochmal Maus sehen, oder auch bei eBay nach altem Fischertechnik suchen: Das mache ich auf dem Sofa.

Das hat ganz viel mit dem guten alten Entspannungsritual zu tun.

Ich glaube genau das wird das iPad erreichen: Eine neue Nutzungssituation bei der alles zusammen kommt: Ein kleines, handliches Gerät, WLAN überall, und vor allem ein Touch Screen mit toller Benutzeroberfläche.

Die Konsequenzen daraus kann man zum einen natürlich aus den iPhone Apps extrapolieren. Schönes neues Surf-Erlebnis, Lesen, Video schauen.

Für den eCommerce wird sich dadurch aber auch etwas ergeben: Suchaufträge mache ich immer noch am Schreibtisch. Das wird in Zukunft auch so bleiben. Wenn ich weiss was ich will, wenn ich es schnell brauche, dann wird das schnell vom Schreibtisch aus erledigt.

Aber wenn ich nicht weiss, was ich will, wenn ich stöbern will, ähnlich wie früher im Versandhauskatalog, dann nehme ich das iPad.

Und noch etwas: Die IPTV Propheten, die seit 15 Jahren irgendetwas von Konvergenz faseln, sind endgültig am Ende. Der Fernseher als zentraler Mittelpunkt existiert noch. Wenn man wirklich mal was gemeinsam sehen will.

Aber wer einmal versucht hat, einen Internet-Screen auf dem Fernseher mit Remote Keyboard oder Fernbedienung zu bedienen, der weiss: Sobald jeder für ein paar Hundert Euro das ganze Geschehen buchstäblich in der Hand haben wird, wird die Interaktion in der Hand sein. Ein iPod für jedes Familienmitglied zum individuellen Sehen und Blättern. Wenn man wirklich alle das gleich wollen um nachher mitreden zu können – von DSDS bis zum Tatort, dann wird es die Glotze bleiben. Aber Einkaufen am Fernseher – noch nicht mal Oma.

Ach ja, die Zahlen auf dem Chart oben: Das ist meine Schätzung. Definitiv genauer als alle Trendforscher zusammen.