Wachablösung von Cem Basman. Wie immer wunderbar geschrieben. Noch inspirierender finde ich übrigens seinen Beitrag Schlüsselübergabe, in dem Cem in beeindruckender Weise schildert, wie man ein Unternehmen idealerweise übergibt.


Im Moment steht das Thema CO2-Ausstoß im Mittelpunkt und gerade eben wissen wir, dass in der EU, wohl auf Druck der deutschen Autohersteller, ein schöner windelweicher Kompromiss gefunden wurde: Die EU-Klimaziele wurden schön aufgeweicht. Selbst 2014, das ist in sechs Jahren (!) sollen nur “80% der Fahrzeuge auf durchschnittlich 120 g CO2/km” kommen. Das ist das ist das mathematisch weichste Durchschnittsmodell, das ich kenne. Aber immerhin noch kräftig Zeit, um ein paar Cayennes und Q7 zu verkaufen, die dann nicht in den Durchschnitt reingerechnet werden.

Aber zum Thema:

Feinstaub

Das Thema Feinstaub und Ruß von Dieselmotoren geht demgegenüber in der Diskussion unter. Sollte es eigentlich nicht, denn Dieselruß ist sehr schädlich (eher für den Menschen direkt als für die Atmosphäre), Autos werden so lange genutzt, wie noch nie und Rußfilter gibt es noch nicht sehr lange. Vor einem Jahr betrug das Durchschnittsalter der Autos in Deutschland 8,1 Jahre, ich bin mir sicher, dass es in den nächsten Jahren angesichts der Finanzkrise massiv steigt. Es ist vom Ressourcenverbrauch her ja wünschenswert, wenn etwas länger genutzt wird, also macht Nachrüsten auf das technisch Mögliche Sinn.

Selbstversuch

Unser Diesel-Familien-Touran stieß beim Beschleunigen trotz Niedrigst-Laufleistung doch sichtbare Rußwolken aus. Als er vor dreieinhalb Jahren vom Band lief, gab es von VW noch keine Rußfilter dafür.

Also Umweltgewissen eingepackt, bei VW einen Original-Partikelfilter nachgerüstet. Kostet 700 Euro inklusive Montage, irgendwie soll es 350 Euro bei der Kfz Steuer zurückgeben, Öko-Konsum für’s gute Gewissen also.

Leider nicht so ganz nachhaltig, das gute Gewissen: Im reinen Stadtbetrieb als Kindergarten-Shuttle steigt der Verbrauch locker um einen Liter Diesel. Also: 50% weniger Ruß gegen 15% mehr CO2. Hilft nur: noch weniger fahren.

Bin mal gespannt, wann es Rußfilter für LKW gibt.


“Germany’s generous solar subsidies covered the roofs of one of the world’s most sunless countries with solar cells, thus pushing up the price of silicon and reducing the cost-effectiveness of solar power in countries where it actually makes sense.”

Der hochgeschätzte Economist diese Woche in einem sehr lesenwerten Beitrag darüber warum Carbon Trading besser ist als Subventionen.

Ich kann das als Unternehmer nur unterschreiben. Man kann nicht vorsichtig genug sein mit Subventionen. Bin gespannt, was die von mir ebenfalls hochgeschätzten Grünen dazu meinen. Aber die rennen im Moment den Castor Transporten hinterher. Siehe http://twitter.com/Die_Gruenen



So kann man den aktuellen “Kompromiss” innerhalb der Regierungskoalition deuten, der jetzt wohl endgültig gelten wird. Wer jetzt einen Spritfresser kauft (Kategorie Q7 V12) spart um die 900 Euro, also 0,5% vom Listenpreis oder so. Aber nur für kurze Zeit, denn spätestens Ende 2010 läuft die Steuerersparnis aus.

Eigentlich soll dieses Blog ja kein Gejammer über Politik sein, aber ich bin einfach nur fassungslos wie strategisch die aktuelle Politik in Deutschland ist. Ich bin damit gottseidank nicht allein.


Die Stadt London will rund 2000 ungenutzte Flächen als Gemüsegärtner für die Londoner bereit stellen. Mehr dazu hier: Guardian. Das wird zwar nicht die Welt retten, aber allein der Ansatz zeigt, dass man in London über viele Themen nachdenkt. Irgendwie kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass sich Klaus Wowereit oder Ole von Beust vor Mikrofone stellen, um das Thema “Gemüsegärten” zu diskutieren.


Ich war vor einem Jahr auf einer Konferenz, bei der die überwiegende Zahl der Teilnehmer Werber waren. Eines der 40 Panels beschäftigte sich mit Nachhaltigkeit. Ergebnis war im Nachhinein nicht berauschend. Erinnern werde ich mich jedoch immer an dieses unbedeutende Panel, denn ein Werber brachte die ganze Denke auf den Punkt:

“What can I buy that helps me to be green”.

Ich fand das unglaublich zynisch.
Meine private Ethik – und meist Handeln – ist tatsächlich geprägt von: Weniger kaufen. Weniger brauchen. Mehr auf Qualität als auf Quantität achten. Es geht um Lebensqualität.

Mittlerweile bin ich etwas nachdenklich geworden: In der Tat sind wir alle so konditioniert, dass wir uns unseren Kick über Konsum holen: Die Hochglanz-Zeitschrift für die kleine Escapismus Attacke, das neue Auto für’s Selbstwertgefühl, und vielleicht etwas Bio für die Familie (Luftfracht aus Peru) für’s gute Gewissen? So ist leider die Realität.

Mein Konsum für’s gute Gewissen in letzter Zeit:

  • Stromsparlampen im ganzen Haus
  • letzte Woche wurde der Parikelfilter für den Familien-Touran nachgerüstet,
  • beim neuen Einbauherd wurde natürlich auf relative Sparsamkeit geachtet (was wahrscheinlich ziemlicher Quatsch ist).

Vielleicht sollte man sich doch nicht so auf’s hohe Ross stellen und eher überlegen: Welche Brücken können wir einander bauen, um mit dem bekannten Verhaltensmuster: Einkaufen, Geld ausgeben das richtige zu erreichen?


Wir leben in einem Land, dessen Wirtschaft so ungefähr zu 25 Prozent von der Autoindustrie abhängig ist. Stichprobentechnisch stimmt das: Mein Bruder arbeitet in einem Betrieb, der Formen für Autozulieferer baut. Ein weiterer Verwandter baut in China an Elektronik für Autos. Ein Freund testet beruflich gerade Navigationssysteme für einen Autohersteller.

Und dennoch: Es kann doch nicht wahr sein, was gerade vorgeht:
- Die Europäische Autoindustrie (lies: die Deutsche sonst gibt es nur noch PSA und Fiat) soll 40 Mrd an verbilligten Krediten bekommen, während allein in deutschen Krankenhäusern der Investitionsrückstand 50 Mrd betragen soll.
- Gerade heute hat die deutsche Autolobby es wohl geschafft, dass die CO2-Ziele von 130 g wohl nun doch ab 2015 und auch nur für 60 Prozent der Neuwagen gelten. Das ist aber noch nicht mal auf den Titelseiten der Zeitungen gelandet.
- Letzte Woche scheint allen Ernstes eine Förderung der Kfz-Steuer verabredet worden zu sein, wonach ein Smart mit 135 Euro subventioniert wird und ein Touareg mit 333 g CO2 / km mit über 1500 Euro.

Gerade bei Autos wird im Moment unglaublich verlogen vorgegangen. Alles schön im Namen der Umwelt: Wir sollen alle unsere produzierten Autos wegschmeissen und neue – angeblich schadstoffärmere – Kaufen. Als schadstoffarm wurde höchst offiziell von der EU definiert, siehe Euro1-5 Norm, dass der langfristig wohl problematischste Schadstoff – CO2 – gar nicht zählt. Was für ein Quatsch.

Neue Autos sind nicht gut für die Umwelt.

Das US-Magazin Wired hat mal einen alten Toyota Tercel mit einem neuen Toyota Prius http://www.wired.com/science/planetearth/magazine/16-06/ff_heresies_09usedcars. Das Ergebnis: man muss erstmal 100.000 Meilen, das sind 160.000 km mit einem neuen Toyota Prius fahren muss, um den Mehraufwand an Energie zu kompensieren, der für die Produktion draufgeht. So lange ist das Weiterfahren mit dem alten Auto energietechnisch günsiger.

Jeder weiss, dass die deutsche Autoindustrie 20 Jahre lang geschlafen hat. Für die aktuelle Audi-Greenwashing-Kampagne, in der sogar das Riesenmonster Q7 gefeatured wird, muss man eine Hybrdid-Studie aus den späten 80er Jahren bemühen. Gleichzeitig wird der Q5 als Geländewagen, auf den alle Chinesen gewartet haben, freudig exportiert. Man lese nur, wie der Audi-Chef Rupert-Stadler im Welt (nun nicht wirklich die kritischste aller Zeitungen) rumeiert http://www.welt.de/wams_print/article1963070/Wir_werden_Fahrzeuge_ohne_Abgase_bauen.html .

Was müsste die Regierung wirklich tun?

1. Klarheit schaffen. CO2 Ausstoss als Massgabe der Besteuerung.
2. Klarstellen: Der Spritpreis geht langfristig nach oben. Da kann kein Staat was machen.
3. Wenn fördern, dann den Elektroantrieb, allen voran die Entwicklung von Stromspeicher. Das was wir bei Solar- und Windtechnologie können, könnte Deutschland auch hier.
4. Und warum nicht auch Gewichtsziele einführen oder fördern?
Porsche war früher mal Weltmeister darin, leichte Autos zu bauen. Heute baut man diesen unsäglichen Cayenne mit 2.5 Tonnen Gewicht, bin gespannt, was der neue Panamera wiegen wird.


„Die Deutschen werden andere Autos fahren und anders wohnen, mehr Geld für Nahrungsmittel und die monatlichen Heizkosten ausgeben und härter arbeiten müssen,wenn sie ihren Lebensstandard halten wollen. Und vor allem: Sie müssen Energie sparen, bis es weh tut.”

Der Spiegel, 7.7.2008


Ich bin schon seit Ewigkeiten am Thema Energie interessiert, meine Diplomarbeit hatte das Thema “Kraft-Wärme-Kopplung mit Brennstoffzellen”. Das war 1994. Aktuell ist es ja etwas modern geworden, sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, was nach dem Öl kommt. Als Leseempfehlung an dieser Stelle der Sonderteil “the future of energy” aus dem Economist vom 21. Juni.Der Economist hat für mich grundsätzlich eine sehr sehr hohe Glaubwürdigkeit, einige Thesen und Informationen haben mich hinreichend überrascht, um sie kurz anzureissen: Diejenigen unter den geneigten Lesern, für die das Allgemeinplätze sind, mögen mir vergeben.

  1. Wir haben dann gewonnen, wenn wir Strom aus erneuerbaren Energien billiger herstellen können als aus Kohle. Denn erst dann wird Kohle als eine der dreckigsten Energiequellen nicht mehr genutzt. Die Google Jungs (ja, die mit der 767) arbeiten daran unter dem Stichwort RE>C und kümmern sich dabei primär um Solar-Unternehmen. Die aktuellen Kostensätze sind ungefähr 5 US-cent je KWh Strom aus Kohle. Wenn es weltweit einen CO2 Abgabe von 30US$ je Tonne CO2 geben würde, würde sich Kohlestrom auf ca. 8 US cent je KWh verteuern.

  2. Elektroautos werden wirklich kommen.
    Selbst mit Kohlestrom ist ein Elektroauto sauberer als mit einem Benzin- oder Dieselmotor, so der Economist. Das hat mich genauso überrascht, wie die Angabe, dass der vergleichbaren Kostensatz bei ca. 25 US cent je “Liter” Elektrosprit liegen kann. Wenn man die ganze Nachrichtenlage so verfolgt, dann gelangt man zur Überzeugung, dass Elektroautos wirklich kommen werden. Ich würde mir gerne so einen Tesla-Flitzer (hier ein Link zu einem Test) zulegen. Warum kommt der nicht von Porsche?
    Kritisch sieht der Bericht übrigens die ganzen Wasserstoffautos. Die Logistik, um den Wasserstoff zum Auto zu bekommen, ist immer noch nicht gelöst.

  3. Wind-Energie macht wirklich Sinn
    Wer ist nicht genervt von den Windparks an Nord-und Ostsee oder in der vormals schönsten Erholungsgebieten? Aber anscheinend ist diese Technik die am weitesten entwickelte alternative Energie, der am ehesten zugetraut wird, schnell eine relevante Größenordnung zu erreichen. Im Moment trägt Windenergie zu 1% zur Versorgung der USA bei, aber man traut ihr bis 2020 einen Marktanteil von ca. 15% zu. Der Report beschäftigt sich primär mit den aktuellen Techniken zur Beseitigung der aktuellen Probleme mit Windenergie, nämlich der Speicherung der Energie und vor allem dem Transport zum Verbraucher.
  4. Nuklearenergie wird zurückkommen.
    Für diese These – die in Deutschland einen Frevel darstellt – braucht man natürlich keinen Economist. Fakt ist, dass nicht nur der Greenpeace-Gründer Patrick Moore, davon überzeugt ist, dass an Atomenergie kein Weg vorbeiführt. Hier ein Artikel von ihm aus der Washington Post. Wenn ich das Thema mit meinen französischen Kollegen anspreche, dann schütteln die alle den Kopf über die Deutsche Haltung zu dem Thema.

  5. Solarenergie wird irgendwann konkurrenzfähig
    Die verschiedenen Ansätze sind hinlänglich bekannt: Neben den bekannten Solarzellen, die entweder immer effizienter oder dramatisch billiger werden sollen(Dünnfilmzellen), existieren bekanntermassen die Parabolspiegel-Kraftwerke, die Wasser erhitzen und darüber Strom herstellen. Das “heisseste” Konzept im Moment kommt von Sungri: Hier werden Parabolspiegel benutzt, die Licht auf eine Solarzelle fokussieren. Hier ein guter Blog-Beitrag dazu.

  6. CO2-Speicherung: “Im besten Falle teuer, im schlechtesten Fall wird es nicht funktionieren”
    Aktuell macht die deutsche Braunkohle-Lobby doppelseitige Zeitschriftenanzeigen, in denen sie für Staatsknete für die CO2-Speicherung wirbt. Shell tut ähnliches im internationalen Umfeld. Im Economist dagegen werden diese Ansätze sehr kritisch betrachtet.

So weit meine Aha-Erlebnisse, wie gesagt, im Original sehr lesenswert.