08
Sep 10

Suchtentwöhnung

Im Sommer war das “Abschalten” so prominent in Wirtschaftswoche und Spiegel auf den Titelseite, daß Meedia “Abschalten” zu Recht als Medientrend des Sommers identifiziert hat.

Der Hamburger Personalberater Dwight Cribb hat schon im  April mal einen sehr guten Blogbeitrag geschrieben. Er schreibt darin, dass er sich dem Burnout näherte, weil er dauernd in eigentlichen Ruhephasen auf Twitter geschielt hatte. Meine Burnout-Phase liegt zwar schon länger hier, die war irgendwann 2007 zwischen der ersten und zweiten Finanzierungsrunde von Qype.

Aber auch mir ist dieses Jahr klar geworden, dass das ständige “Always on” so nicht weiter geht. Das wäre vielleicht nichts besonderes, wenn ich mich nicht auch als einen Derjenigen gesehen hätte, die das Real-Time-Web mit gestalten wollen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Suchtentwöhnung:

Im Urlaub lief das Jahr wunderbar. Ich habe jeden zweiten Tag das iPad morgens angemacht und ein paar E-Mails beantwortet und ein paar News-Seiten angesehen, ansonsten kein Internet und kein Handy. Zwei Wochen lang. Oh Wunder: Die halbe Stunde morgens war viel effizienter als das dauernde “Ich schau mal kurz rein”.

Blackberry ist  ja das bekannteste Übel. Erst kürzlich hat mir ein Freund gesagt, wie sehr ihn nervt, wenn ich mitten im Gespräch “Nur diese eine Mail” noch beantworte, weil eine Presseanfrage oder ein Investor nicht warten kann. Meine Lösung: Der Blackberry bleibt jetzt bei jedem Gespräch in der Tasche. Da blink nichts und fertig.

Twitter hat ja ganz nett angefangen, als Überbrückung von Wartezeiten in der U-Bahn oder am Flughafen. Aber ehrlich gesagt, nervt mich die Zeit, die ich mit “Noise” gegenüber “Signal” verbringe, nach wie vor. Und der Suchteffekt von Twitter (“Hat jemand geantwortet?”) ist einfach völlig unproduktiv. Meine Lösung: Ich habe die Twitter Apps zwar noch auf dem Blackberry installiert, aber in ein Unterverzeichnis verschoben, und öffne sie nur sehr selten.

Facebook hat mich ja nie so erwischt, es war für mich eher eine Twitter-Extension. Und soo interessant ist es gottseidank nicht, was da läuft. Nett ist für mich anzusehen, wie sich die Avocado-Fan-Seite so entwickelt und was es für Feedback gibt. Aber der Feed meiner Facebook-”Freunde” ist für mich dramatisch weniger spannend, als mich mit meinen wirklichen Freunden zu treffen. Meine Lösung: Facebook gibt es bei mir mobil nicht mehr.

iPad: Hier nerven die roten Status-Meldungen, ich schalte die E-mail Accounts oft ganz ab, wenn ich nur im Web surfen will.

Checkins: Klar, manchmal ist es nett, wenn ich sagen kann: hier bin ich, und meine Buddies sehen das auf Qype, Foursquare und demnächst Facebook. Aber ehrlich gesagt: in letzter Zeit bin ich auch davon nur genervt. Hier gibt es eine ganz einfache Lösung:ich mache es nur noch, wenn ich irgendjemanden in der Nähe treffen will.

Ist das jetzt eine Generationenfrage?

Ich glaube nicht. Philipp Gloeckler, der Gründer von Avocadostore hat im Urlaub auch komplett “abgeschaltet”. Passiert ist nichts. Er verwendet zwei Handys mit einer Karte. Am Wochenende ist nur das einfache alte SonyEricsson an, der Blackberry aus. Philipp ist 26.

Ich habe so was ähnliches auch probiert. Blackberry weg, einfaches Nokia Handy her. Leider bin ich auf meiner ersten Geschäftsreise an der mangelhaften Adressynchronisation und ohne elektronischen Kalender gescheitert. Und leider vermuten immer mehr Gesprächspartner, dass E-mails auch unterwegs gelesen werden, so dass es ohne “mobile E-mail” mittlerweile schwierig wird, Treffen zu organiseren. Da arbeite ich noch dran.

Auf jeden Fall stelle ich fest, dass ich so langsam wieder ruhiger und konzentrierter und somit effizienter werde. Das gilt am Schreibtisch. Und Gespräche werden wieder entspannter. Jetzt heißt es dranbleiben.


21
Apr 10

Die wirkliche Bedeutung des iPad

Als das iPad vor 3 Monaten präsentiert wurden, waren die Web-Propheten wenig begeistert. Kein Flash und so weiter. Jetzt ist es der große Hype. In spätestens 3 Monaten werden wir das Android Pad haben und nächstes Weihnachten haben die Massen ein Gerät von Medion. Aber immer noch hat kaum jemand verstanden, was da passieren wird.

Meine These: In der selben Art und Weise, wie das iPhone endlich den Durchbruch bei der Internet-Nutzung unterwegs geschafft hat, bringt uns das iPad vom Schreibtisch auf die Couch.

Ich habe kürzlich zuhause einen Downgrade vorgenommen: Vom 17″ Notebook zum 13″ Macbook pro. Dadurch hat sich mein Surf-Verhalten vollkommen geändert. Arbeit, die Konzentration erfordert, Dinge die ich erledigen muss, erledige ich am Schreibtisch.

Wenn ich entspannt rumsurfen will: Top Gear schauen, mit den Kindern nochmal Maus sehen, oder auch bei eBay nach altem Fischertechnik suchen: Das mache ich auf dem Sofa.

Das hat ganz viel mit dem guten alten Entspannungsritual zu tun.

Ich glaube genau das wird das iPad erreichen: Eine neue Nutzungssituation bei der alles zusammen kommt: Ein kleines, handliches Gerät, WLAN überall, und vor allem ein Touch Screen mit toller Benutzeroberfläche.

Die Konsequenzen daraus kann man zum einen natürlich aus den iPhone Apps extrapolieren. Schönes neues Surf-Erlebnis, Lesen, Video schauen.

Für den eCommerce wird sich dadurch aber auch etwas ergeben: Suchaufträge mache ich immer noch am Schreibtisch. Das wird in Zukunft auch so bleiben. Wenn ich weiss was ich will, wenn ich es schnell brauche, dann wird das schnell vom Schreibtisch aus erledigt.

Aber wenn ich nicht weiss, was ich will, wenn ich stöbern will, ähnlich wie früher im Versandhauskatalog, dann nehme ich das iPad.

Und noch etwas: Die IPTV Propheten, die seit 15 Jahren irgendetwas von Konvergenz faseln, sind endgültig am Ende. Der Fernseher als zentraler Mittelpunkt existiert noch. Wenn man wirklich mal was gemeinsam sehen will.

Aber wer einmal versucht hat, einen Internet-Screen auf dem Fernseher mit Remote Keyboard oder Fernbedienung zu bedienen, der weiss: Sobald jeder für ein paar Hundert Euro das ganze Geschehen buchstäblich in der Hand haben wird, wird die Interaktion in der Hand sein. Ein iPod für jedes Familienmitglied zum individuellen Sehen und Blättern. Wenn man wirklich alle das gleich wollen um nachher mitreden zu können – von DSDS bis zum Tatort, dann wird es die Glotze bleiben. Aber Einkaufen am Fernseher – noch nicht mal Oma.

Ach ja, die Zahlen auf dem Chart oben: Das ist meine Schätzung. Definitiv genauer als alle Trendforscher zusammen.


01
Apr 10

Principles of Successful Web Apps

Over time I have turned into a fan of Fred Wilson from Union Square Ventures, relatively famous for investing in Twitter or Foursquare. I like VCs who know what they are talking about. Watch this video, it contains more wisdom on product design than many talks by product guys. Wilson’s 10 principles are:

1. Speed

2. Instant utility

3. Personality

4. Less is more

5. Programmable

6. Personal

7. Restful (meaning anything should have a URL)

8. Discoverable (i.e. SEO)

9. Clean (one could see this as a duplication of 4)

10. Playful

It is also worth listing to the Q & A in the end: The product has to be the marketing vehicle for the product itself.

The 10 Golden Principles of Successful Web Apps from Carsonified on Vimeo.


22
Mar 10

The Fab Four

There are four excellent companies who dominate how we search, how we shop, how we communicate, and which gadgets we use: Google, Amazon, Apple and Facebook.

The first three of these companies also are among the top 5 of the Fortune Magazine’s 50 most admired companies in 2010 . (Facebook is not in this list and this fact does not so much discredit Facebook as discredit the Fortune list).

But why write about this obvious fact of the Fab Four?

All these companies are product driven. This of course applies to Apple. The product is the hero, not the service around it, or the pricing. At Google, an engineer is much more important than a sales person. Just look at the amazing Zurich facility of Google and compare this to any sales office. If you listen to Mark Zuckerberg of Facebook, he will mostly talk about the product and new features that help Facebooks users to use the site in yet another way. Amazon has lead in meticulous A/B testing of it’s website, to make sure it stays ahead.

The other point I want to talk about is the sheer share of mind of these companies.

“Which startup is hot at the moment?” this question by a friend made me think recently. No offence to my fellow startup entrepreneurs, but it seems to me that at the moment where even a small redesign by Facebook will automatically be more talked about than the most exciting new business idea.

Even the slightest new announcement from Apple, Facebook or Google, – the aptly worded “buzz” as latest example – commands more press interest than a new car model or even the most fantastic new startup. Bloomenergy.com is at least here in Europe virtually unheard of. This share of mind is even more scary than the user numbers, as it makes life harder for new entrants.

The good news: Five years from now, the Fab Four will not be the same companies. Someone will get it wrong, someone else will get it right.

Five years ago, I would have included Ebay in that list, today no more. There is a nice account of how companies historically fail to stay at the top in the Black Swan by Nicholas Taleb. At writing of that book in 2006 , only 74 of the S&P 500 companies of earlier times had survived. But I am willing to bet that even in 5 years from now, at least three out of the four dominating companies will be from the West Coast. Probably the fourth as well, you never know with these Black Swans…


18
Feb 10

Avocado Store zusammengefasst.

Avocado Store (http://avocadostore.de) ist eines der Projekte, die ich ausserhalb meiner Arbeit bei Qype mit anschiebe. Ich habe hier Geld reingesteckt, gleichzeitig arbeite ich hier auch mit. Mehr Hintergrund dazu hier im Interview bei Deutsche Startups.

Die Essenz von Avocado Store:

Avocado Store will eine Anlaufstelle sein für Alle, die sich bewußt sind, dass wir durch unseren Konsum nicht nur die Dinge im Kleinen verändern können, sondern dass wir durch Konsum auch Signale setzen, die auf Andere abstrahlen. Das sind viele Menschen, viel mehr als die früheren Ökos und später die Lohas. Es gibt eine Vielzahl von Produkten, die sinnvoller hergestellt werden, als die Produkte die wir alle kennen. Das reicht von der Boxer Short aus fair gehandelter Biobaumwolle bis zum Designer-Bürostuhl der wenn er kapputt ist, nach Cradle-to-Cradle Standard wieder zu einem neuen Bürostuhl gemacht werden kann. Die meisten Menschen wissen jedoch nicht, dass es diese Alternativen gibt, oder wo man die kaufen soll.

Wir bieten den vielen kleinen und großen Händlern für umweltfreundliche oder ökologisch sinnvolle Produkte eine Plattform mit der sie zum ersten Mal die Zielgruppe derjenigen erreicht, die sich für solche Produkte interessieren. Bislang sind diese Produkte entweder versteckt in herkömmlichen Versandhändlern oder eben nur vor Ort zu bekommen.

Idealerweise helfen wir mit, die Nachfrage nach diesen Produkten so zu aggregieren, dass die Preise hierfür sinken können. Im Food-Bereich haben Firmen wie Allnatura bewiesen, dass das geht.

Avocado Store wird die glaubwürdige Adresse für sinnvolle Produkte sein.