Wir leben in einem Land, dessen Wirtschaft so ungefähr zu 25 Prozent von der Autoindustrie abhängig ist. Stichprobentechnisch stimmt das: Mein Bruder arbeitet in einem Betrieb, der Formen für Autozulieferer baut. Ein weiterer Verwandter baut in China an Elektronik für Autos. Ein Freund testet beruflich gerade Navigationssysteme für einen Autohersteller.
Und dennoch: Es kann doch nicht wahr sein, was gerade vorgeht:
- Die Europäische Autoindustrie (lies: die Deutsche sonst gibt es nur noch PSA und Fiat) soll 40 Mrd an verbilligten Krediten bekommen, während allein in deutschen Krankenhäusern der Investitionsrückstand 50 Mrd betragen soll.
- Gerade heute hat die deutsche Autolobby es wohl geschafft, dass die CO2-Ziele von 130 g wohl nun doch ab 2015 und auch nur für 60 Prozent der Neuwagen gelten. Das ist aber noch nicht mal auf den Titelseiten der Zeitungen gelandet.
- Letzte Woche scheint allen Ernstes eine Förderung der Kfz-Steuer verabredet worden zu sein, wonach ein Smart mit 135 Euro subventioniert wird und ein Touareg mit 333 g CO2 / km mit über 1500 Euro.
Gerade bei Autos wird im Moment unglaublich verlogen vorgegangen. Alles schön im Namen der Umwelt: Wir sollen alle unsere produzierten Autos wegschmeissen und neue – angeblich schadstoffärmere – Kaufen. Als schadstoffarm wurde höchst offiziell von der EU definiert, siehe Euro1-5 Norm, dass der langfristig wohl problematischste Schadstoff – CO2 – gar nicht zählt. Was für ein Quatsch.
Neue Autos sind nicht gut für die Umwelt.
Das US-Magazin Wired hat mal einen alten Toyota Tercel mit einem neuen Toyota Prius http://www.wired.com/science/planetearth/magazine/16-06/ff_heresies_09usedcars. Das Ergebnis: man muss erstmal 100.000 Meilen, das sind 160.000 km mit einem neuen Toyota Prius fahren muss, um den Mehraufwand an Energie zu kompensieren, der für die Produktion draufgeht. So lange ist das Weiterfahren mit dem alten Auto energietechnisch günsiger.
Jeder weiss, dass die deutsche Autoindustrie 20 Jahre lang geschlafen hat. Für die aktuelle Audi-Greenwashing-Kampagne, in der sogar das Riesenmonster Q7 gefeatured wird, muss man eine Hybrdid-Studie aus den späten 80er Jahren bemühen. Gleichzeitig wird der Q5 als Geländewagen, auf den alle Chinesen gewartet haben, freudig exportiert. Man lese nur, wie der Audi-Chef Rupert-Stadler im Welt (nun nicht wirklich die kritischste aller Zeitungen) rumeiert http://www.welt.de/wams_print/article1963070/Wir_werden_Fahrzeuge_ohne_Abgase_bauen.html .
Was müsste die Regierung wirklich tun?
1. Klarheit schaffen. CO2 Ausstoss als Massgabe der Besteuerung.
2. Klarstellen: Der Spritpreis geht langfristig nach oben. Da kann kein Staat was machen.
3. Wenn fördern, dann den Elektroantrieb, allen voran die Entwicklung von Stromspeicher. Das was wir bei Solar- und Windtechnologie können, könnte Deutschland auch hier.
4. Und warum nicht auch Gewichtsziele einführen oder fördern?
Porsche war früher mal Weltmeister darin, leichte Autos zu bauen. Heute baut man diesen unsäglichen Cayenne mit 2.5 Tonnen Gewicht, bin gespannt, was der neue Panamera wiegen wird.







